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Formen
Form zur Bachzeit
(ausgestellt in der Thomaskirche zu Leipzig)
Pauken, bei denen
das zeitraubende Anziehen der einzelnen Schrauben durch eine so
genannte „Maschine“ ersetzt ist, welche auf die ganze Peripherie
gleichmäßig wirkt, heißen Maschinenpauken. Bei den Pedalpauken
lässt sich die Tonhöhe mit Hilfe eines Fußpedals regeln. Somit
ist der Paukist in der Lage, die Stimmung während des Spielens
stufenlos zu verändern (Glissando). Eine weitere Sonderform ist
die Wiener Pauke, bei der mittels eines Handrades nicht das Fell
sondern der Kessel durch Hebelbewegung auf und nieder bewegt
wird.
Heute benutzt man
Pauken in fünf verschiedenen Größen mit einem Tonumfang von (Des-B),
(F-d), (B-fis), (es-a) und (g-d').
Weltweit haben sich
für die Bespannung der Pauken Kunststofffelle durchgesetzt. In
den großen Spitzenorchestern der klassischen Tradition in
Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie in den USA,
Großbritannien, Australien, Japan, Skandinavien und in Teilen
Frankreichs wird jedoch weiterhin auf Naturfellen gespielt. In
Österreich, in der Schweiz und auch in Teilen Skandinaviens sind
dies meist geschärfte Ziegenfelle, in Deutschland und in den
übrigen Ländern meist imprägnierte gespaltene Kalbfelle (aus
Celbridge, Irland).
Verwendung
Meistens werden im Orchester zwei bis vier Pauken nebeneinander
gebraucht; in neuerer Zeit werden zur Realisierung schnell
aufeinanderfolgender, unterschiedlicher Töne bis zu zehn Pauken
von einem Pauker (Gruber: "Charivari"), bis zu sechzehn Pauken
von zwei und mehreren Paukern gespielt. Schon im Barock gab es
Solo-Stücke für ein oder mehrere Pauker (Gebrüder A. D. und A.
D. P. Philidor, Babelon, um 1690). Bei Wagner, Strauss, Mahler
und Nielsen gibt es Werke, in denen zwei Pauker beschäftigt
sind. Berlioz setzte in seiner Symphonie Fantastique vier und in
seinem Requiem (Grand messe des morts) sogar zehn Pauker ein.
Die Schlägel der
Pauke haben Köpfe aus Filz, Leder, Flanell, Kork oder Holz.
Somit kann der Spieler unterschiedliche Klangnuancen von weich
(Filz) bis hart (Holz) realisieren. Für besondere Effekte kann
die Art der Schlägel vorgeschrieben sein. Die gelernten
Kunstpauker bedienen sich zahlreicher so genannter
Schlagmanieren oder Kunstschläge (einfache Zunge, Doppelzunge,
getragene Zunge [von den Blasinstrumenten entlehnte Ausdrücke],
Doppelkreuzschläge, Wirbel usw.), in welche sie auch bei
Aufzügen, Intraden und anderen Stücken die nur einfach
vorgeschriebenen Noten auflösen (Altenburg: Versuch einer
Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter= und
Pauker=Kunst, Halle 1795 - J. CH. Hendel Verlag)". Diese Technik
wird in der Musikliteratur bis zur frühen Romantik angewendet.
Spätestens mit der Wandlung der Klangvorstellung (Berlioz, von
Weber) hat sich das Anschlagsmittel und mit ihm die Technik
verändert. War bis dahin der Holzschlägel tonangebend, so ist
jetzt der Schwammschlägel Trumpf, aus dem sich der heute
hauptsächlich gebräuchliche Filz- oder Flanellschlägel
entwickelte. Aus dem von der Trommeltechnik abgeleiteten
Doppelschlagwirbel (RR LL), bei dem man deutlich die
Zweiergruppierung heraushörte, entwickelte sich der
Einschlagwirbel (RLRL), der möglichst ebenmäßig und ohne hörbare
Akzentuierung auszuführen ist.
Entwicklung
Dem Grundwesen nach ist die Pauke ein uraltes Instrument und von
dem Toph oder Aduse der Hebräer bis hin zu den von Praetorius
als „ungeheure Rumpelfässer“ geschilderten Heerpauken des 16.
und 17. Jahrhunderts (Syntagma Musicum II, De Organographia
1619) und unseren Konzertpauken bei allen Völkern in den
verschiedenartigsten Gestalten und Formen zu finden. Von den
Persern und Türken soll sie ins Abendland gekommen sein.
Früher, als man von
der Pauke noch spärlichen Gebrauch machte und sie regelmäßig auf
Tonika-Dominante (Quint- oder Quartstimmung) abstimmte,
behandelte man sie in der Notierung wie ein transponierendes
Instrument, d. h. man schrieb am Anfang die Stimmung vor:
Timpani in Es-B oder in D-A, B-F usw., man notierte aber stets
mit C-G oder vielmehr c-G. Von diesem Gebrauch kam man ab, als
die Komponisten auch über die Quarte oder Quinte hinausgehende
Töne verlangten (Beethoven: Fidelio A-es, 7. Sinfonie A-f, 8.
und 9. Sinfonie F-f).
Im 18. Jahrhundert
stand die Paukenvirtuosität in voller Blüte, als z. B.
fürstliche Hofpauker auf bis zu vierzehn Pauken Konzerte gaben,
wobei sie während des Schlagens noch die Klöppel in die Luft
warfen und im Takt wieder auffingen. (Werke von J. C. Ch.
Fischer, J. Ch. F. Fischer, J. K. F. Fischer, Druschetzky,
Endler, Graupner, Molter)
Als
Solokonzert-Instrument kommt die Pauke heute eher selten vor. Zu
den wenigen Beispielen zählen: Capriccietto für vier Pauken und
Streichorchester (um 1932) von Gerster, Konzert für Pauke und
Orchester von Thärichen (1954), Der Wald - Konzert für Pauke und
Orchester von Matthus (1984) oder auch das Konzertstück für
Pauken und Orchester von Kagel (1990 bis 1992).
Die Schraubenpauken
gelten als Urtypus der heute gespielten Instrumente, da sie
mittels der Schrauben mit wenigen Handgriffen auf einen anderen
Ton umgestimmt werden konnten. Sie waren bis zum Ende des 19.
Jahrhunderts in Gebrauch und werden heute wegen ihres
"Original-Klanges" wieder häufiger, vor allem von Orchestern mit
historischem Klangbild, in Konzerten eingesetzt. 1836 baute
Einbigler (Frankfurt) die erste sog. Maschinenpauke, eine
Konstruktion, bei der das Umstimmen über ein zentrales
Kurbel-/Hebel-System gelöst wurde. Das Stimmen und vor allem das
Umstimmen war schneller und einfacher geworden. Pauken dieses
Systems werden heute wieder vermehrt in Werken mit wenig
Umstimmaufgaben ihres speziellen Klangbildes wegen eingesetzt.
Die um 1850 in verschiedenen Varianten entstandene
Dreh-Kessel-Pauke hat sich im symphonischen Bereich nicht
durchgesetzt. Die große Veränderung brachte die Erfindung der
Pedalpauke um 1880. Es ist nicht gesichert, wer die erste
Pedalpauke baute. Das Patent von Pittrich stammt aus dem Jahre
1881 und ist wegweisend für alle nachfolgenden Pedalsysteme
gewesen. Nun konnte man die Pauke stufenlos und schnell mit dem
Fuß umstimmen. Der Pauker hatte während des Umstimmvorgangs
jetzt beide Hände frei und konnte, was neu war, ein gewirbeltes
Glissando ausführen. Strauss war einer der ersten Komponisten,
der diese neue Technik verwendete (Salome). Bartók hat den
Effekt des gewirbelten Glissandos in seiner Sonate für zwei
Klaviere und Schlagzeug besonders wirkungsvoll eingesetzt.
Richard Strauss war aber auch von einem anderen Paukentypus
begeistert, nämlich von jenem der "Wiener Pauke". Es handelt
sich dabei um eine Handhebelpauke, die vom Solopauker der Wiener
Philharmoniker Hans Schnellar (1865-1945) erfunden wurde und von
seinen Nachfolgern Richard Hochrainer und Wolfgang Schuster
wesentlich weiterentwickelt wurde und auch gegenwärtig von
Wolfgang Schuster in Wien produziert wird. Bei dieser
Konstruktion drückt ein Mechanismus den Kessel gegen das
fixierte Fell um eine bestimmte Tonhöhe zu erzielen. Richard
Strauss wie auch andere Komponisten, wie zum Beispiel Gustav
Mahler, zeigten sich begeistert von der Wiener Pauke und ihrem
Klang, der nicht zuletzt auf die Verwendung von Ziegenpergament
zurückzuführen ist.
Bild- und
Textquelle:
http://de.wikipedia.org
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